Im Frühling zwitschern nicht nur die Vögel von den Dächern

21 06 2009

Nachdem bereits meine Eltern Twitter in Ihren Wortschatz aufgenommen haben und selbst das Unterschichten-Fernsehen sich der Thematik angenommen hat, wird es auch für mich Zeit, eine Lanze gegen Twitter zu brechen. Denn die Belanglosigkeit nimmt Überhand. Einmal von der Opposition im Iran abgesehen, verbreitet Twitter nur aufgeblasene und oberflächliche Nichtigkeiten, getrieben vom Hedonismus und Narzissmus derjenigen, die sich selbst zum Dunstkreis der digitalen Boheme zählen.

Es soll nicht um die Fähigkeit einiger Blogger gehen, keine anständigen Sätze formulieren zu können. Nein die Oberflächlichkeit unserer Generation ist leider nicht mehr mit Humor zu ertragen, sondern auch mit Besorgen zu beobachten. Picken wir uns zur Anschauung ein Gewächs dieser Bewegung einmal heraus. Valentin Tomaschek zum Beispiel, einer der „irgendetwas mit neuen Medien macht“, lässt seinen Hund Hazel twittern. Zu bemitleiden ist Hazel eigentlich nicht, sondern eher die 443 Follower, denen ein Hundeleben viel zu bedeuten scheint.

Das Internet hat die Kommunikation maßgeblich revolutioniert, der Einzelne ist nicht mehr Konsument, sondern auch Produzent von Informationen. Und genau darin liegen Ursprung und Lösung aller Probleme. Denn wenn ein Jedermann sich im Netz profilieren kann, entsteht eine Über-Information. Es gibt kein journalistisches Gremium, das auswählt und Qualität generiert. Das Beispiel von David Rohde, einem Journalist der im Irak entführt wurde, zeigt wie wichtig professioneller Journalismus ist. Um das Leben von Rohde nicht zu gefährden, wurde die Weltöffentlichkeit gebeten, Stillschweigen über die Entführung zu wahren, um das Leben der Geisel nicht zu gefährden. Nun ließ sich ein einzelner Wikipedia-Nutzer nicht beirren und stellte  prompt die Informationsfreiheit über das Leben des Einzelnen und veröffentliche wiederholt die vermeintliche Entführung des Journalisten.

Wir alle haben die Verantwortung mit unserer publizistischen Freiheit umzugehen. Deswegen liebe Kinder des Netzes hisst die Flagge der Qualität! Auch das sich bravourös selbst-vermarktende Aushängeschild der Generation web2.0 Sascha Lobo, hat dies erkannt und twitterte neulich: „Tagestipp: Weniger twittern. Dafür besser“ 25. Mai Wie sich einen Tag später heraus stellte war er aber dennoch Gefangener des Publizitäts-Wahns und twitterte: „Ich habe mich geirrt. Twittert mehr. (Aber besser).“ 26. Mai Auf das ihm die Quadratur des Kreises gelingen möge!

P.S. Auch Jamiri, der Hauszeichner bei Spiegel Online, hat die “volkommen unerhebliche Beliebigkeit” in seinem Comic verarbeitet.

Bravourös


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