Home – es ist zu spät ein Pessimist zu sein

7 06 2009
Home, ein Film über die Schönheit der Erde und ihre Zerstörung, über bewussten ökologischen Konsum als Ausweg? Letzten Freitag, am Weltumwelttag startete Home, der Film des französischen Fotografen Yann Arthus-Bertrand in Kooperation mit Luc Besson zeitgleich in Kinos, im Free-TV und auf Youtube, wo bereits am Wochenende über 700.000mal die deutsche und englische Version geklickt wurde.

„Es ist ein göttlicher Blick. Der von oben. In ruhigen, gleitenden Bewegungen schweben wir über die Erde. Und sehen ihre Schönheit. Aber auch ihre Makel. Wie ein Gott betrachten wir eine Schöpfung. Aber nicht als eine, die wir erschaffen haben, sondern eine, die wir im Begriff sind zu zerstören.“ (zander, welt online)

Markt am Fluss
Wie auch schon die Foto-Arbeiten von Yann Arthus-Bertrand, zeigt Home Landschaften, Menschen, Tier von oben. Home will kein Dokumentarfilm sein, diesen Anspruch hat er auch nicht. Er zeigt vielmehr grandiose und mitreißende Bilder, die mit Texten über die Geschichte der Erde und das Wirken des Menschen auf ihr kommentiert werden. Die großen ökologischen Fragen, wie das Schmelzen der Polkappen und das Abholzen von Regenwäldern,werden aus dem off aufgegriffen. Der Film wirkt zuerst zusammenhanglos durch den Kontrast der Bilder mit dem Text. Home aber vereinbart das scheinbare widersprüchliche; die atemberaubenden Luftbilder und die Botschaft dahinter.

Die Quintessenz aus dem Projekt: das Ende ist Nah: Nur 20% der Weltbevölkerung konsumiert 80% aller Ressourcen, 5000 Menschen sterben jeden Tag durch vergiftetes Trinkwasser; die Liste ist unendlich fortsetzbar. „Es ist zu spät ein Pessimist zu sein.“ Home allerdings reißt in den letzten Minuten des Films das Ruder herum, und schwenkt die Richtung, indem es Hoffung macht. Hoffnung auf einen Wechsel bevor es zu spät ist. Aber wie?
Arthus-Bertrand beantwortet die Frage mit dem, was heutzutage unter dem Stichwort „responsible consuming“ läuft. Er appelliert an des Gewissen des Konsumenten, der sich bewusst für ein faires und ökologisches Produkt entscheiden soll. Die Verantwortung des Käufers fängt an der Supermarktkasse an! Leider legt Home damit zuviel Verantwortung in den Schoß des Konsumenten, ökologischer korrekter Konsum ist definitiv gut für Gewissen und für das Prestige des Bio -Anbieters, aber schützt es das Klima? Wichtiger sind doch die Entscheidungen in den Parlamenten und nicht an der Ladenkasse. Die Parallele Ausstrahlung über verschiedene Medien soll laut Arthus-Bertrand zu einer maximalen Reichweite führen und so „ […] uns alle davon überzeugen, dass wir jede Verantwortung für diesen Planeten tragen.“ Sein Appell ist, dass der Menschheit noch kaum 10 Jahre bleiben den Trend der Zerstörung aufzuhalten. „In den 200.000 Jahren seiner Existenz hat der Mensch ein Gleichgewicht gestört, das sich in 4 Milliarden Jahren entwickelt hat. Wir müssen Schluss machen mit der maßlosen Ausbeutung der Reichtümer dieser Erde.“ Die kostenlose Veröffentlichung ist bis dato ein Novum und wäre sicherlich nicht ohne die Unterstützung des französischen Luxusgüterkonzern PPR (Gucci, Puma etc.) möglich, dessen moralische und wirtschaftliche Absichten sollen aber hier nicht näher erörtert werden. Home ist bis zum 14. Juni 2009 online und in voller Länge auf Youtube verfügbar.


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