Hannover Zentrum. Der Kröpcke, Dreh- und Angelpunkt für Shopping, Ausgehen und Dates. Samstag früher Abend. Die Sonne färbt sich orange und die flimmerige Hitze des Tages wechselt mit der Verheißung auf das, das in der Nacht kommen mag. Es ist die Stunde, in der die Kauflust abflaut und die ersten Nachtschwärmer auftauchen. Und die Stunde der Jungesellen-Abschiede. Kampf-Trink-Trupps in den schillerndsten Verkleidungen scheinen wie Pilze aus dem Boden zu sprießen, tauschen gegen Geld, Küsse und Schnäpse.
Für einen Jeden der am Bahnhof in Hannover ankommt und zur besagten Stunde seinen Weg durch die Stadt bahnt, wird es nicht schwer gemacht die Stadt als charakterlose Ansammlung von Oberflächlichkeiten wahrzunehmen. Nun gut, ausgelassene Früh- oder Spät-Zwanziger gibt es auch in anderen Städten, aber genau diese Bild fügt sich harmonisch in die latente Wahrnehmung der Oberflächlichkeit, die bei einem jeden Hannover-Besucher der nicht auf Abwegen wandelt, entsteht.
Hannover scheute sich nicht, beflügelt durch Expo und CeBIT, sich mit anderen Metropolen dieser Welt zu vergleichen. Was die Stadtplaner nicht beachteten, dass ohne Identität kein Image zu haben ist. Es fehlt das Profil. Hannover kann weder mit der Schnoddrigkeit Berlins, dem Sovoir Vivre Paris oder dem Wiener Schmäh, mithalten.
Die Belanglosigkeit zeigt sich bei diversen öffentlichen Großveranstaltungen, wie bei dem gefeierten Schützenfest, das die selbsternannte Weltstadt wieder auf Niveau zahlreicher, nicht näher benennenswerter norddeutscher Dörfer erdet.
Allgegenwart des Profanen und die Alltäglichkeit des Durchschnitts
Zum Glück geht es aber auch anders. Denn Eines haben viele Bewohner dieser Stadt erkannt, die Mündigkeit, sich nicht dem Dahin-Leben in der Niveaulosigkeit, hinzugeben. Es gibt sie nämlich, die kleine Inseln, die sich nicht in die Allgegenwart des Profanen und die Alltäglichkeit des Durchschnitts einfügen. Man muss sie nur entdecken, die Inseln der Entfaltung.
Es ist wieder Samstag, ich laufe über den Kröpcke, einen Cafe in der Hand, ein angeheiterter Männerchore grölt „zehn nackte Frisösen“ und ich muss schmunzeln denn ich weiß es geht auch anders.

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